Mittwoch, 18. April 2012

Teil 9 - Madame Olga hat es kommen sehen


„Guten Tag. Tod mein Name. Der Tod.“
„Ich weiß, kommen Sie herein, Herr Tod.“ Madame Olga wies auf den leeren Stuhl vor sich, dabei raschelte der Stoff ihres dunklen Kaftans hörbar. Der Tod blieb an der offenen Wohnwagentür stehen und rührte sich nicht. Die füllige Dame wusste wer er war und sie lief nicht kreischend davon? Bringen würde es ihr sowieso nichts, am Ende holte der Tod alle ein. Dass sie ihn aber nun einlud herein zu kommen, brachte den Tod ein wenig aus der Fassung. Langsam erklomm er die 2 Stufen und der Tod trat ein, also er trat erst einmal ein, in den kleinen Kirmes-Wohnwagen. Da es noch früh war, besuchten nur wenige Menschen die große Kirmes direkt am Rhein. Während der Tod sich setzte fragte er: „Entschuldigen Sie, Madame Olga. Woher wissen Sie wer ich bin?“
Madame Olga saß hinter einem kleinen runden Tisch und beäugte den Tod über ihre Lesebrille hinweg. Der dunkelblaue Turban, auf ihrem Kopf, wankte gefährlich und drohte jeden Moment herunter zu rutschen. Vor ihr lagen Tarot Karten ausgebreitet und sie nahm die Karte, die in der Mitte lag und hielt sie hoch. „Der Tod.“
Der Tod strich sich die weiße Krawatte gerade und lächelte süffisant. „Sie wollen mir doch nicht weiß machen, dass Sie diesen Kirmes-Kokolores selber glauben.“
Ungerührt schaute sie ihn an. „Geben Sie mir Ihre Hand.“
Instinktiv verschränkte der Tod die Arme und schüttelte entschieden den Kopf. „Ich bin mit so einem falschen Hokuspokus nicht zu beeindrucken.“
Madame Olga hielt ihm fordernd die Hand hin. „Dann haben sie ja auch nichts zu verlieren.“
Verdammt sie hatte recht. Etwas zögerlich gab der Tod seine rechte Hand frei und legte sie mit dem Handrücken auf den Tisch. Madame Olga fuhr mit ihrem Zeigefinger darüber und schien einige Linien nachzuzeichnen. „Sie haben gerade eine schmerzvolle Erfahrung hinter sich gebracht.“
„Das sehen Sie in meiner Hand?“ Der Tod beugte sich etwas vor und versuchte einen Hinweis in der Hand zu entdecken.
„Nein, an Ihren Augenbrauen. Die sind frisch gezupft.“
Das war wirklich eine schmerzvolle Erfahrung und der Tod verzog das Gesicht. Äußern wollte er sich dazu nicht mehr.
„Ich sehe einen großen Mann, der über ihnen schwebt. Sein Name ist für mich noch undeutlich. Er scheint sehr mächtig zu sein. Sie haben sehr großen Respekt vor ihm. Es sieht so aus, als sei er Ihnen nicht wohlgesonnen.“
Der Tod schaute ehrfürchtig und flüsterte, „der Allmächtige?“
„Nein, ich sehe keinen langen weißen Bart.“
„Wieso denken immer alle, dass der Allmächtige einen langen weißen Bart hat?“
„Papperlapapp, Bart hin oder her. Es ist nicht der Allmächtige. Der Mann, den ich sehe ist böse, sehr böse.“
„Ach, dann kann es nur Luzifer sein. Ich hab ihn die Tage Luzi genannt. Seit dem redet er nicht mehr mit mir. Der ist aber auch manchmal ein Mädchen. Ein riesen Team an Racheengeln, heult aber weil seine Fußballmannschaft die Meisterschaft verspielt hat.“ Der Tod rollte mit den Augen und machte eine wegwerfende Handbewegung.
Madame Olga sah auf. „Als Fan ist man eben enttäuscht, wenn seine Mannschaft verliert.“
„Wieso Fan? Dem gehört dieser bayrische Verein.“
Verwirrt blinzelte sie den Tod an, schenkte dann aber seiner Hand wieder ihre volle Aufmerksamkeit. „Er versucht Ihren Posten zu bekommen.“
„Luzifer? Das glaube ich nicht. Der hat genug zu tun. Hölle, Verein, Schnaps brennen, wann will der noch meinen Job machen?“
„Es ist nicht Luzifer. Ich sehe keine Hörner.“
„Warum denken immer alle …“ Mit einem Blick, der Luzifer persönlich eingeschüchtert hätte, brachte Madame Olga den Tod zum Schweigen.
„Langsam wird sein Name deutlicher, ich kann ihn fast sehen. Es ist …“
„Entschuldigen Sie, dass ich Sie unterbreche Madame Olga, Sie können nicht zufällig sehen, wo ich letzte Woche meine 50 Euro verloren habe?“
„WAS?“
„Ich war letzte Woche bei einem Kunden in Moers unterwegs und bin anschließend noch in dieser Drogerie gewesen. Blasenpflaster kaufen. Danach stand ich bei meinem Bio-Metzger an der Kasse und der 50 Euro Schein war weg. Ich muss ihn verloren haben. Das war mir sehr unangenehm.“
Madame Olga nahm die Lesebrille ab und schaute den Tod ungläubig an. „Ich versuche, Ihnen gerade klar zu machen, dass da ein Mann ist, der ihnen Schaden will und Sie erzählen mir hier etwas von Blasenpflaster und Bio-Metzger?“
„Es tut mir leid. Ich wollte ihre Arbeit nicht unterbrechen, es fiel mir nur gerade, in dem Moment ein. Was mir noch gerade auffällt. Warum haben Sie keine Angst und warum sind Sie so ruhig, obwohl sie zu wissen scheinen, was passiert?“
Gütig blickte Madame Olga und lächelte. „Unsere Zeit hier, ist nun einmal begrenzt. Ich bin mir aber sicher, dass ist nicht das Ende, sondern ein Neuanfang. Und wenn ich richtig informiert bin, an einem besseren Ort.“ Bei den letzten Worten zwinkerte sie dem Tod zu.
Der Tod lehnte sich auf seinem Stuhl nach vorne. „Ich bin mir ganz sicher, dass es für Sie ein Neuanfang, an einem besseren Ort ist. Und was den Mann betrifft. Wir wissen doch Alle, wen Sie damit meinen.“ Damit legte er ihr die Hand auf die Schulter und der Tod trat ein.

Kommentare:

  1. Gibt es eine Auflösung? Wer ist/war der Mann? Wir schwanken ja zwischen Uli Hoeness und FJS. Oder gibt es die in der nächsten Geschichhte.

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  2. Oder ist es etwa ..... Horst?

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  3. Neinneinnein das ist nicht die Frage; natürlich ist es Horst, das weiß die Frau Olga und das wissen wir. Die Frage ist, ob es Horst S. ist. Aber der ist ja bevölkerungspolitisch eher gegenteilig aufgefallen. Könnte aber auch Tarnung sein. Weil der Verein gehört ihm ja irgendwie.

    Falls es aber nicht einfach Horst, sondern vielmehr ein richtiger Vollhorst ist, dann wird es schwierig. Da gibt es zu viele von.

    Ich glaube ich warte auf Zehn…

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  4. Ist der Tod tot? :(

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