Freitag, 4. April 2014

Teil 20 - Nur fliegen ist schöner


„Guten Tag, Tod mein Name. Der Tod.“
Der Tod trat ein. Er trat erstmal ein, in den VIP-Bereich des Flughafens. Außer ihm befand sich nur ein Mann, Mitte 40 in dem Raum. Dieser hatte es sich auf einem Sessel bequem gemacht und ein Bein leger über die Armlehne gelegt.
„Oha! Ganz schlechter Name, für einen Co-Piloten.“ Der Mann sah auf und musterte den Tod von oben bis unten, dann nahm er einen kräftigen Schluck aus einem silbernen Flachmann. Er räusperte sich laut und legte sich die Hand an den Mund, als hielte er ein Mikrofon darin: „HerzlichWillkommenAnBordDerHansiwingsMaschineAufDemFlugVonDüsseldorfNachPalmaDeMallorcaIchBinHeuteIhrKapitänMeinNameIstStefanWeberUndMitMirImCockpitFliegtIhrCoPilotDerTod.“
Kapitän Weber hatte die Stimmlage nicht verändert, während er diese Wörterkette vor sich hin nuschelte. Nun schaute er den Tod erwartungsvoll an. Dieser schaute ebenso erwartungsvoll zurück. „Und was genau war jetzt bitte so schlimm daran, außer das man nur „Tod“ verstanden hat?“
„Bei einer Flughöhe von circa 10.000 Meter könnte das ein kleines bisschen problematisch sein, denken Sie mal drüber nach!“ Wieder nahm er einen Schluck aus seinem Flachmann. Der Tod grübelte derweil über die Worte von Herrn Weber nach. Wieso sollte es so schlimm sein „Tod“ zu heißen als Co-Pi … „Ach so!“
„Ah, Ihnen ist ein Licht aufgegangen. Meine ich das nur, oder lässt Ihre Auffassungsgabe zu wünschen übrig? Wann haben Sie die Pilotenschule beendet, nächstes Jahr?“
Unbeeindruckt von den unfreundlichen und oberlehrerhaften
 Worten, des Piloten erwiderte der Tod: „Und ich finde, Sie sind ganz schön überheblich, für einen Mann im Pyjama.“
„Ein bisschen mehr Respekt, bitte! Das ist meine Pilotenuniform. Ok, ich habe letzte Nacht darin geschlafen, aber damit ist es noch lange kein Pyjama. Warum haben Sie Ihre Uniform noch nicht an? In fünf Minuten ist Boarding.“
„Boarding?“
„Ja, wenn das Mallorca-Touristen-Pack die Erlaubnis bekommt, an Bord kommen zu dürfen. Die Grundkenntnisse sollten Sie als Co-Pilot aber schon beherrschen. Jedenfalls ist Boarding in fünf Minuten.“
„In fünf Minuten?“
„Hören Sie auch schlecht? Haben Sie Ihren Flugschein im Lotto gewonnen? Bei Ihnen heißt es wohl eher Fluchschein, was?“ Der Pilot lachte hämisch und verschluckte sich an einem hicks.
Der Tod wurde aufmerksam. „Sagen Sie, Herr Weber. Sind Sie betrunken?“
„Ja sicher! Was meinen Sie, was in meinem Flachmann ist, Kamillentee?“
„Deswegen frage ich Sie ja. Sollten Sie nicht lieber Ihren Rausch ausschlafen, bevor Sie sich ans Steuer setzen?“ Der Tod schaute skeptisch, konnte den Piloten damit aber nicht verunsichern. „Ach was! Ich bring die Mühle hoch und den Rest erledigt der Autopilot.“
Der Tod schüttelte den Kopf und sah Herrn Weber abfällig an.
„Da brauchen Sie mich gar nicht so komisch anschauen, Herr Tod. Der Autopilot kann das! Dafür wurde er konzipiert!“
„Und wenn der mal ausfällt? Oder kaputt ist? Oder selbst mal keine Lust hat?“
„Dafür gibt es ja immer noch den Co-Piloten. Der sollte dann aber auch nüchtern sein.“
Der Tod massierte sich die Schläfen. Von solchen Gesprächen bekam er immer Kopfschmerzen.
„Manchmal möchte ich die Arbeit hinschmeißen und streiken.“
„Wir streiken? Ach, das kommt mir sehr recht.“ Der Pilot nahm noch einen großen Schluck und sagte dann: „Allerdings ist es für Ihre Warnung bereits zu spät.“
„Was meinen Sie mit `zu spät `“
„Wie bin ich wohl hierher gekommen?“
„Egal wie, ich hoffe Sie sind nicht selbst gefahren.“ Der Tod war empört. Die Vorstellung, dass Herr Weber mit dem Auto hierher gefahren war, entsetzte ihn.
„Herr Tod! Die wesentlich wichtigeren Fragen sind doch: Wo kommen wir her? Warum sind wir hier und was ist der Sinn von all dem?“ Herr Weber starrte geradeaus als überlegte er eine Antwort auf seine Fragen. Stille.
Erwartungsvoll sah der Tod ihn an. Herr Weber starrte weiter geradeaus.
„Herr Weber?“ Dieser antwortete mit einem lauten hicks und starrte immer noch.
Nun wurde der Tod ungeduldig und wurde lauter. „Herr Weber!“
„Ja, was ist denn? Wer sind Sie denn?“
„Ich hatte mich eben schon vorgestellt. Tod mein Name.“
„Oha! Ganz schlechter Name, für einen Co-Piloten.“
Der Tod antwortete durch zusammengepresste Zähne: „So weit waren wir schon! Wie sind Sie, in diesem Zustand hierher gekommen.“
Nun war der Pilot ungehalten. „Ja, woher soll ich das denn wissen? Ich bin völlig betrunken! Da ich Pilot bin, liegt die Wahrscheinlichkeit nahe, dass ich mit dem Flugzeug hierher gekommen bin.“
Der Tod rieb sich mit einer Hand die Augen und seufzte tief. „DieWahrscheinlichkeitLiegtNaheDassDiesAuchDasLetzteMalWarNichtZuFassenWasEsAufDerWeltFürBekloppteMenschenGibtWennIchDasLuziferErzähleLachtDerSichHalbTot. “Murmelte der Tod grimmig.
„Ach, sind Sie nicht der neue Co-Pilot. Ja, sagen Sie das doch gleich!“ Herr Weber hielt dem Tod seinen Flachmann hin. „Auch ein Schlückchen?“
„Nein danke! ICH bin im Dienst!“ Damit legte der Tod dem Piloten die Hand auf die Schulter und der Tod trat ein.

Mittwoch, 2. April 2014

Eine Rezension

Hier findet Ihr eine Rezension  zu den Leseblüten Schauergeschichten 2012, über die ich  mehr als gefreut hab.

Vielen Dank, liebe Aygen vom Bücherkaffee

Viel Spass beim lesen

Liebe Grüße
Kerstin

Dienstag, 14. Januar 2014

Ein schöner Start ins neue Jahr

Mein Tod und ich in der Moerser NRZ mit einem sehr schönen Artikel.

Hier gehts zum Artikel in der NRZ

Viel Spass beim lesen und bis Bald

Eure Kerstin

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Teil 19 - Es weihnachtet sehr


„Guten Tag, Tod mein Name. Der Tod.“
„Hallo, Herr Tod. Tut mir leid, außer mir ist niemand da.“ Das Kind hatte nur den blonden Lockenkopf zur Tür heraus gesteckt und lächelte den Tod an.
Der Tod kratzte sich beklommen am Kopf. Irgendwie war ihm unwohl und dem Kind fiel das auf. „Geht es Ihnen nicht gut? Möchten Sie vielleicht reinkommen und ein Glas Wasser trinken?“
„Ein Schnaps wäre mir lieber“, sagte der Tod, stampfte sich den Schnee von den Schuhen und trat ein. Erstmal trat er ein, in das weihnachtlich geschmückte Haus. Wohlige Wärme empfing ihn im Eingangsbereich. Ein Hauch von Zimt stieg ihm in die Nase und der Duft von frischem Tannengrün.
Mit hängendem Kopf folgte der Tod dem Kind in die Küche.
„Setzen Sie sich doch, Herr Tod. Sie sehen ein wenig blass aus. Wieso, um Himmels willen, sind sie so früh an Heiligabend schon unterwegs?“
Der Tod setzte sich an den Küchentisch und blinzelte vorsichtig rüber zu dem Kind, was ihm gerade ein Glas Wasser einschenkte.
„Mit Himmel liegst du schon ganz richtig. Weißt du, ich bin wegen Dir hier und leider spielt der Himmel in der Sache eine große Rolle.“
„Und warum gucken Sie dann so traurig?“ Das Kind setzte sich neben den Tod.
„Heute ist wieder so ein Tag, wo ich meinen Job nicht leiden kann. Da würde ich am liebsten hinschmeißen. Außerdem hatte ich für Weihnachten Urlaub beantragt. Ich finde, ich habe an Weihnachten nix zu suchen. Das ist die Zeit für den Weihnachtsmann und Knecht Ruprecht.“
„Und was ist mit dem Christkind?“ Empört stemmte das Kind die Hände in die Hüften.
Der Tod rollte mit den Augen. „Wer glaubt denn heute bitte noch ans Christkind? Die Geschenke bringt der dicke Onkel mit dem weißen Bart und dem roten Anzug.“
Das Kind schaute den Tod finster an. „Den mag ich nicht.“
„Oh! Ein Kind, das den Weihnachtsmann nicht mag. Hast wohl mal eine Rute bekommen, was? Apropos, hast du Cola im Haus? Ich hab plötzlich Lust auf eine eiskalte Cola.“ Verwundert kratzte sich der Tod am Kopf und überlegte, wo der plötzliche Durst auf Cola herkam. Auch so eine Erfindung von Luzifer.
„Nein, es ist keine Cola im Haus.“
„Keinen Weihnachtsmann und keine Cola. Du bist ein komisches Kind.“
„Sagte der Mann, der an den Weihnachtsmann glaubt. Ich frage mich, wer von uns beiden komischer ist.“
Erstaunt blickte der Tod auf. „Also, das war jetzt aber auch nicht nötig. Mir geht es schon mies genug. Außerdem hab ich den echten Weihnachtsmann schon getroffen. Ich weiß, dass es ihn gibt.“
„Tut mir leid, Herr Tod. War nicht so gemeint. Der Weihnachtsmann geht mir einfach auf den Keks. Kennen Sie das, wenn jemand versucht Ihnen den Job wegzunehmen?“
Der Tod riss die Augen auf und fing an zu stottern. „ Ob ich … ob ich … das kenne? Und ob ich das kenne.“ Jetzt verengten sich die Augen vom Tod in schmale Schlitze. „Horst!“
„Wer ist Horst?“
Dem Tod entfuhr ein tiefer Seufzer. „Das ist ein Kollege aus der Verwaltung. Der ist schon lange scharf auf meinen Job. Der versucht alles, um mich beim Chef unbeliebt zu machen. Letztens hat er ihm erzählt, ich sei schuld daran, dass der Wald stirbt.“ Der Tod tippte sich mit dem Zeigefinger an den Kopf. „Ausgerechnet ich. Wir wissen doch alle, wer wirklich dafür verantwortlich ist.“
Das Kind grübelte kurz. „Nein, wer ist denn dafür verantwortlich?“
„Luzifer!“
„Der Teufel?“
„Mit seiner CO2 Erfindung ist er jedenfalls nicht ganz unschuldig daran. Ich wundere mich, dass er dafür noch keine Abmahnung erhalten hat. Aber vielleicht hat er mir das auch ganz einfach verschwiegen.“ Mit einer wegwerfenden Handbewegung schob der Tod das Thema zur Seite.
„Sie kennen den Teufel persönlich?“ Überrascht hob das Kind die Augenbrauen.
„Nun ja, wir trinken hin und wieder mal ein Bier zusammen, in der Hölle.“
„Also ich würde ja im Leben nicht freiwillig in die Hölle runter steigen.“
„Ja nun, raus kann Luzifer nicht ohne Weiteres. So wie der aussieht. Ein Kerl mit Hörnern und Schwanz. Hinten. Und immer dieser strenge Geruch.“
„Ja, Schwefel soll ganz fies riechen.“
„Das auch. Schlimmer ist aber, dass er kein Deo benutzt.“
Beide verzogen angewidert das Gesicht und der Tod nickte wissend.
„Nicht mal an Weihnachten?“
„Nicht mal an Weihnachten!“
Das Kind seufzte, legte das Kinn in die Hand und sagte: „Wenigstens an Weihnachten könnte man sich noch mal ein bisschen Mühe geben. Ist doch nur einmal im Jahr. Sich auf das besinnen, was man hat und einfach mal dankbar sein, besinnlich mit seinen Lieben ...“
Der Tod gähnte herzhaft.
„Entschuldigung, Herr Tod. Langweile ich Sie?“ Das Kind sah den Tod vorwurfsvoll an. Es stand auf und stellte sich direkt vor den Tod.
Der Tod war verlegen. „Es tut mir leid. Natürlich nicht.“
„Ich kann ja verstehen, wenn Sie Weihnachten nicht mögen, aber ein bisschen Respekt kann ich schon erwarten.“
Betroffen sah der Tod auf seine Schuhe und nickte.
„Ich muss jetzt leider los, Herr Tod. Da draußen warten noch ganz viele Kinder darauf, dass ICH ihnen die Geschenke bringe. Schönen Urlaub und ein gesegnetes Weihnachtsfest.“ Damit legte das Christkind dem Tod die Hand auf die Schulter und der Trost trat ein.

Dienstag, 15. Oktober 2013

Teil 18 - Eine Seefahrt ist nicht lustig

„Guten Tag, Tod mein Name. Der Tod.“
„Tut mir leid, keine Zeit für höflich Konversation. Das Bordrestaurant „Fischers Fritz“ öffnet gleich und heute gibt es Hummer. All-You-Can-Eat!“ Schon war der alte Mann im schwarzen Smoking verschwunden. Der Tod verdrehte genervt die Augen. “Niemand, aber auch wirklich niemand nimmt mich noch ernst. Ich sollte meinen beigen Anzug wieder gegen die dunkle Kaputzenkutte tauschen und mir eine neue Sense besorgen. Damals hatten die Menschen noch Respekt.“ 
Ein tiefer Seufzer entfuhr dem Tod, als er sich auf den Weg machte, um dem Mann zu folgen. Dass ein kleiner alter Mann, mit Gehstock, so schnell laufen konnte und das bei dem Seegang, war nicht zu fassen. Das Schiff schwankte ein wenig. Der Tod legte sich die Hand auf den Bauch und die Übelkeit trat ein. Eigentlich war sie schon die ganze Zeit da, aber hier unter Deck, wurde sie besonders schlimm. Es half alles nichts. Der Tod atmete noch einmal tief durch und setzte seinen Weg fort, in Richtung „Fischers Fritz“.
Eine große Menschentraube hatte sich vor dem Restaurant gebildet. Es hörte sich an wie ein Schwarm nervöser Hornissen und über den Köpfen kreiste ein schwarzer Gehstock.
Pünktlich öffnete das Restaurant und die Menschentraube samt Gehstock quoll hinein. Der würzige Duft nach Fischsuppe, Hummer und Meeresfrüchten strömte dem Tod entgegen und er schloss die Augen. Wieder einmal kam ihm das Wort Höllenqual in den Sinn. Tapfer ging er auf die Tür zu und der Tod trat ein. Erst einmal trat er ein in das kleine Restaurant. Hier sah es aus wie in einer norddeutschen Hafenkneipe. Sein Magen rebellierte. Nie wieder Kreuzfahrt, schwor er sich. Er spielte sogar mit dem Gedanken, in solchen Fällen Horst zu schicken, verwarf diesen aber schnell wieder. Der Tod fand den Mann mit dem schwarzen Gehstock, wie er alleine an einem Tisch saß. Um seinen eleganten Smoking nicht zu bekleckern, hatte er sich die Spitze der Stoffservierte in den Hemdausschnitt gesteckt. Der Herr ließ sich von der Anwesenheit des Tod nicht beirren und nagte an einem Hummerschwanz. Genüsslich leckte er den Saft von seinen Fingern und gab dem Tod ein Zeichen. Er sollte sich zu ihm setzen. „Alfred Friedemann mein Name. Sie haben ja gar keinen Teller, Herr Tod.“
„Ich bin nicht sehr hungrig“, sagte der Tod und setzte sich. „Vielleicht nehme ich später eine Brühe und einen Kamillentee.“
„All-You-Can-Eat und Sie nehmen Brühe?”
Etwas verlegen legte sich der Tod wieder die Hand auf den Magen.“Mir ist nicht so gut.“
„Das ist wohl Ihre erste Kreuzfahrt, was? So ein Wellengang ist aber auch eher selten, da haben Sie wirklich Pech, Herr Tod.“ Wieder nagte er an dem Hummerschwanz und ließ dann die leere Schale geräuschvoll auf seinen Teller fallen. „Ich bin ja schon das 13. Mal an Bord des Fliegenden Holländers. Das ist eins der schönsten Kreuzfahrtschiffe, das es gibt. Das können Sie mir glauben. Und! Der beste Hummer. Da gönne ich mir gleich noch eine zweite Runde am Buffet.“
 „Noch eine Runde? Von dem Hummerhaufen auf Ihrem Teller eben hätte eine vierköpfige Familie satt werden können, inklusive Hund.“
„Sie haben den Begriff All-You-Can-Eat nicht verstanden, oder Herr Tod?“
Der Tod strich sich behutsam über den Bauch. „Mein Motto heute ist eher „All-You-Can-Drin-Behalten,“ dabei setzte er seine Stirn in Falten.
Angewidert vom Hummer, versuchte der Tod das Thema zu wechseln.
„Warum haben den so viele Kreuzfahrtschiffe Namen von berühmten Opern? Wissen die denn nicht, dass so eine Oper fast immer tragisch endet?“
Der verständnislos Blick von Herrn Friedemann beeindruckte den Tod nicht weiter und er hob nach Oberlehrermanier den Zeigefinger. „Nur mal unter uns. Das Schiff am Ende des Fliegenden Holländers sinkt! Denken Sie mal drüber nach!“
Dem alten Mann schien ein Licht aufzugehen und seine Augen weiteten sich schlagartig. Panisch sah er sich um. „Sie meinen wir werden untergehen?“
„Nein! Dieses Schiff wird nicht untergehen. Es endet irgendwann mal auf einem Recyclinghof im Hamburger Hafen. Was ich eigentlich sagen wollte, ist, dass die Namensgebung eher unglücklich gewählt ist. Wo man in der Seefahrt doch sonst so einen großen Wert auf solche Sachen legt. Oder haben Sie hier schon mal Deck 13 gesehen?“
Herr Friedemann, der eben noch Panik in den Augen hatte, schaute jetzt sehr verdutzt. „Deck 13? Hab ich noch nie drauf geachtet.“
Ungeduldig klopfte der Tod mit den Fingern auf dem Tisch. „Aber das Meer, da draußen ist Ihnen schon aufgefallen, oder?“
„Das Meer. Nun ja. Frühstück, Vormittagssnack, Mittagessen, Kaffee und Kuchen, Abendessen, Mitternachtsimbiss. Happy Hour in der Meeresbrise-Bar. Da bleibt nicht viel Zeit, um auf das Meer zu schauen.“ Herr Friedemann tupfte sich mit einer anderen Ecke seiner Servierte seinen Mund ab und leerte sein Weinglas in einem Zug.
 „Wenn Sie Schiffe nicht leiden können, Herr Tod, und an Seekrankheit leiden, warum, in drei Teufels Namen, gehen Sie auf eine Kreuzfahrt?“
„Erstens bin ich beruflich hier und zweitens hat Luzifer mehr als drei Namen.“
„Wie bitte?“ Herr Friedemann sah den Tod verwirrt an.
„Genau blicke ich da auch nicht durch, aber zählen Sie doch mal nach. Oder noch besser, Sie fragen ihn persönlich.“
„Wen?“
„Luzifer. Wegen der vielen Namen. Das erklärt der Ihnen bestimmt sehr gerne. Er hat sogar eine Power Point Präsentation dazu.“
„Was ist denn eigentlich mit Ihrem Namen, Herr Tod?“
„Mein Name? Der ist Programm.“ Damit legte er Herrn Friedemann die Hand auf die Schulter und der Tod trat ein.

Donnerstag, 18. April 2013

Teil 17 - Trimm-Dich-Pfad mit Hindernissen



„Guten Tag, Tod mein Name. Der Tod.“
„Moin!“ keuchte der Angesprochene und joggte unbeirrt weiter.
„Moment mal. Bleiben Sie doch bitte mal stehen!“ Der Tod schaute dem Jogger verdutzt hinterher. Als er erkannte, dass der Jogger nicht warten würde, blieb ihm nichts anderes übrig, als hinterherzulaufen. Nun war er doch froh, dass er seine neuen Trainingssachen angezogen hatte und nicht den guten Anzug. So wirkte er sehr sportlich, während er versuchte den Jogger einzuholen.
Der Mann schaute auf seine Pulsuhr und wurde schneller. Auch der Tod musste einen Zahn zulegen.
„Hey! Jetzt warten Sie doch,“ schnaufte der Tod nun ärgerlich.
Der Jogger drehte sich um, lief aber auf der Stelle weiter. Dabei japste er wie ein kleiner fetter Mops. Im Grunde sah er auch genauso aus, dachte sich der Tod.
Der Jogger war erbost über die Unterbrechung. „Was wollen Sie denn? Ich habe gleich meine ersten 200 Meter geschafft.“ Er hielt dem Tod seine piepsende Pulsuhr unter die Nase.“Mit GPS.“
Erstaunt hob der Tod die Brauen. „Sie haben erst 200 Meter? Die Uhr klingt eher so, als ob Sie bereits seit zwei Tagen unterwegs sind.“
Winselte dieses Gerät um Gnade?
Der Mann schaute verlegen zurück zum Parkplatz, wo er sein Auto noch immer sehen konnte. „Wissen Sie, ich laufe heute das erste Mal. Meinen Herz-Patienten rate ich immer, sich zu bewegen und Sport zu treiben. Aber mich nimmt da auch keiner mehr ernst. Ich sollte mich an meine eigene Nase fassen, kommt dann immer als Antwort. Außerdem muss ich auch mal meinen Stress abbauen. Meinen Blutdruck erwähne ich an der Stelle gar nicht erst.“
„Vorbild wirkt besser als Worte.“ Der Tod erhob den Zeigefinger und setzte sein schönstes Oberlehrergesicht auf.
„Ach, jetzt kommen Sie mir doch nicht so. Sie wirken auch nicht viel sportlicher in ihrem Jogginganzug aus hellbeiger Ballonseide. Mit dem passendem Stirnband sehen sie eher lächerlich als sportlich aus.“ Dr. von Felkenbach hatte aufgehört auf der Stelle zu laufen und drohte mit erhobenem Zeigefinger zurück.
In seinem Stolz getroffen, rückte sich der Tod sein Stirnband zurecht. „Wir können in diesem Park gerne eine Runde auf dem Trimm-Dich-Pfad drehen, lieber Doktor. Dann werden wir ja sehen, wer hier lächerlich aussieht.“
„Soll mir recht sein, lieber Herr Tod.“ Der Doktor drehte sich um und lief los, der Tod folgte ihm und dem eindringlichen Piepsen.
Sie hielten an der ersten Station. „Klimmzüge.“ Der Tod ließ sich seine Enttäuschung nicht anmerken. „Das Kinn schön auf die Stange ablegen, lieber Herr Doktor und nicht Schummeln!“
„DAS habe ich nicht nötig, lieber Herr Tod.“
Mit Feuereifer sprangen die beiden Sportler gleichzeitig an die Stange und zählten laut mit.
„Eins.“
Nach etwa fünf Minuten waren es mindestens 225 Schweißperlen, aber keinen Klimmzug mehr geworden, doch weder die beiden Herren noch die Pulsuhr gaben auf. Die Gesichtsfarbe des Doktors erinnerte nun an vollreife Chilischoten und so wie er stöhnte, schien es auch, als hätte er gerade ein paar gegessen.
„Geben Sie auf, Tod. Sie haben keine Chance.“
Es dauerte einige Sekunden, bis der Tod genug Sauerstoff erhechelt hatte, um zu antworten. „Sie … Sie schlag ich doch mit … links,“ keuchte er.
Es vergingen drei weitere Minuten, ehe der Tod sich als Erster fallen ließ. „Sie haben gewonnen Doc. Diese Runde geht an Sie.“ Seine Arme brannten wie damals, als er die neue Schnapps-Création von Luzifer probiert hatte. Das Höllenfeuer selbst und das Augenbrauenzupfen waren nichts dagegen.
Zu keinem Wort imstande, ließ sich der Arzt neben den Tod fallen und rang nach Luft.
„Sie sind ein harter Gegner, Herr Tod. Geben Sie auf?“
„Im Leben nicht! Ähm … Ich meinte, nein. Was kommt als Nächstes?“
„Bockspringen.“
Der Tod sah den Doktor an und hob eine Augenbraue. „Ernsthaft?“
„Natürlich. Oder wollen Sie etwa doch aufgeben?“
„Nein, ich nicht. Ich dachte da eher an Sie, Herr Doktor. Sie wollen wirklich Bockspringen?“
In seinen Gedanken sah der Tod, wie ein kleiner fetter Mops immer wieder mit Anlauf gegen einen Baumstamm rannte.
„Sie glauben wohl, dass ich das nicht kann, oder? Ich werde es Ihnen beweisen.“
Dr. von Felkenbach nahm Anlauf und lief auf den Baumstamm zu, der für Bockspringen vorgesehen war. Er nahm Schwung und prallte ab, wie ein riesiger Gymnastikball. Der Tod zuckte zusammen und konnte den Schmerz des Doktors selbst spüren.
„Haben Sie sich sehr weh getan, Herr Doktor? Kommen Sie, ich helfe Ihnen auf.“
Nachdem Dr. von Felkenbach ein paar Mal tief Luft geholt hatte, sah sein Gesicht schon gar nicht mehr so grün aus. „Es geht schon wieder. Danke.“
„Keine Ursache. Vielleicht sollten wir den Wettkampf an dieser Stelle abbrechen, lieber Doktor.“
„Sie haben recht, lieber Herr Tod. Sport ist Mord. Ich werde meinen Patienten einfach wieder zu den Beta-Blockern raten.“
Die Pulsuhr verstummte und der Doktor lächelte zufrieden. „Herrlich, diese Ruhe. Ich sollte mir in Zukunft vielleicht weniger Stress machen. Urlaub wäre nicht schlecht oder ich gebe die Praxis ganz auf. Einfach nur dasitzen und in den Himmel schauen. Das wäre traumhaft.“ Er nahm die Pulsuhr ab und warf sie in den Mülleimer, der dort am Wegrand stand.
„Das ist eine schöne Vorstellung, Herr Doktor und die Pulsuhr brauchen Sie auch gar nicht mehr.“ Damit legte der Tod dem Arzt die Hand auf die Schulter und der Tod trat ein.

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